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wenn der pfau weint

Klappentext


„Mit 16 Jahren wurde ich gezwungen, einen älteren, mir völlig unbekannten Mann zu heiraten. Er war psychisch gestört und sehr gewaltbereit. Es dauerte Jahre, bis ich mich mit meinen beiden Kindern schließlich von ihm und seinem Clan lösen konnte. Heute bin ich frei, doch die schwere Zeit hat meine Kinder und mich geprägt. Ich erzähle hier ganz offen meine Geschichte, um allen unterdrückten Frauen Mut zu machen, sich zu wehren, denn ich weiß, dass ein selbstbestimmtes Leben möglich ist…“

Meine Meinung


Von den Jesiden habe ich schon des Öfteren gehört, habe mich allerdings noch nicht näher mit dieser religiösen Gruppe beschäftigt. Seit dieser Lektüre ist dies jedoch anders.

Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit ohne ein festes Land. Verstreut in verschiedenen Ländern, einem Kastensystem angehörend und Frauen und Mädchen sind nichts wert. Gewalt in der Familie und der Ehe gehören zur Normalität.

So erging es auch Irina. Schon als kleines Kind hat sie Gewalt in der Familie miterlebt und keiner der Frauen hat sich gewehrt. Sie haben alles erduldet, wie auch Irina alles erduldet hatte. Geboren um zu gehorchen, sich einzufügen in ein System in welchem Widerspruch nicht gestattet ist. Kontakt mit Menschen, welche nicht ihrem Glauben angehören, wurde verboten. Als Irina 16 Jahre alt war hat ihr Vater sie zwangsverheiratet und das Tor zu einer neuen Hölle wurde geöffnet. Doch Irina hat sich gewehrt und hat sich ihre Freiheit erkämpft.

Ich bewundere Irina wie sie es geschafft hat, diesem Grauen zu entfliehen. Sie kannte doch nur den absoluten Gehorsam!

Es hat mich wütend und traurig gemacht, diese Geschichte zu lesen und mir wurde wieder einmal klar, dass mitten unter uns immer noch Traditionen gelebt werden, die mir völlig fremd sind. Ich klage keine Religion, kein Volk und keine Nationalität an. Aber ich habe ein Problem mit Gewalt, Zwangsehe, Vergewaltigung, Demütigung und Sklaverei. Ich sehe aber auch wie wichtig es doch ist, dass sich Einwanderer integrieren, ohne ihre Werte oder ihren Glauben aufzugeben. Sich jedoch an die Gepflogenheiten und Gesetze ihrer Wahlheimat anpassen.

Der Schreibstil von „Wenn der Pfau weint“ ist grandios. Ich wollte nur mal kurz reinlesen und habe dann das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Kurze Absätze und ein lebendiger Schreibstil lassen einen nur so durch die Seiten huschen.

Fazit

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Für mich ein tolles und wichtiges Buch welches erschüttert und aufrüttelt. Irinas Geschichte berührt und lässt so manche Träne kullern. Die Lektüre liest sich rasant, trotz des empfindlichen Themas. Ein Buch, welches man gelesen haben sollte.

5/5

Eckdaten
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„Wenn der Pfau weint“ von Irina Badavi // Gütersloher Verlagshaus // Oktober 2016 // 257 Seiten // Hardcover // ISBN: 978-3-579-08652-1 //Preis: 19,99 €

Über die Autorin

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Irina Badavi, geb. 1980 in Tiflis, Georgien, als das zweite von vier Kindern. Ihre Eltern sind zu jenem Zeitpunkt 18 und 17 Jahre alt. Die Familie kommt Mitte der 90er-Jahre nach Deutschland, nachdem Irina gerade ihren georgischen Realschulabschluss gemacht hat. Im Alter von 16 Jahren wird sie mit einem Jesiden verheiratet, der bereits Ende 20 ist und als psychisch instabil gilt. Irina bekommt erst einen Sohn, dann eine Tochter. Am 1. Oktober 2004 gelangt sie nach einigen Jahren, die geprägt waren von Demütigungen, Gewalt und Vergewaltigungen, über die Ausländerbehörde mit ihren Kindern in ein Frauenhaus. Es folgen jahrelange Prozesse, Verfolgungen, Bedrohungen, Mordversuche, immer wieder Ängste. Aber mit viel fremder Unterstützung, mit Therapien und noch mehr eigener Entschlossenheit schafft sie es, für sich und ihre beiden Kinder ein neues Leben aufzubauen. Irina lebt heute mit ihren beiden Teenagerkindern in einer norddeutschen Großstadt. Sie arbeitet als Traumaberaterin und in der Flüchtlingsarbeit als Dolmetscherin.

Eure Sarah von Bloggerhochzwei

Bildrechte: Gütersloher Verlagshaus