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weil ich ein dicker bin

Klappentext


„Bike collapses under German fat man!“ Dass ein solches Youtube-Video von ihm handeln und noch dazu Millionen Aufrufe finden könnte, ist nur einer der Alpträume von Bertram Eisenhauer. Denn er ist nicht dick. Er ist 6XL-dick.
Er war ein pummeliger Teenager, er war ein dicker Student, heute ist er ein adipöser Erwachsener. Übergewicht hat ihn definiert, so lange er zurückdenken kann.
Jetzt schreibt er darüber, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, der zu viel wiegt. Was es nicht nur körperlich kostet, sondern emotional. Was das Fettsein mit der Seele macht. Und welche Lebenschancen es einem stiehlt.
Seine Seelenschau ist schonungslos ehrlich, selbstironisch und melancholisch, humorvoll und grimmig, klischeefrei und Mut machend.

Meine Meinung


Die Geschichte, welche Bertram Eisenhauer hier zu Papier gebracht hat, hat mich doch überrascht. Ich habe nicht damit gerechnet, dass so absolut offen und ehrlich und vor allem auch humorvoll berichtet wird.

Es ist Bertrams ganz persönliche Geschichte über seinen Kampf, nicht mehr ein Dicker zu sein. Schon als Kind und später als Jugendlicher hatte er mit den Kilos zu kämpfen. Essen tröstet, Essen belohnt und Essen macht glücklich. Wen wundert es da, dass er auch als Erwachsener adipös ist? Es ist ein Teufelskreis, in welchem Dicke sich bewegen. Man ist einsam und tröstet sich mit Essen. Man wird noch einsamer, da man als dicker Mensch meist auch wenig soziale Kontakte hat. Um den Frust zu bekämpfen isst man natürlich wieder. Das so angehäufte Gewicht macht einem den Alltag schwer. Schon morgens nach dem Aufstehen, bevor der erste Socken übergestreift ist, schwitzt man. Nach dem Duschen kann man eigentlich gleich wieder duschen, da man schon vom Abtrocknen wieder schwitzt. Wen wundert es da, dass in den Kabinen der speziellen Kleidungsgeschäfte noch eine Box mit Tüchern steht?

Man richtet sich die Welt außerhalb der eigenen vier Wände so ein, dass die nächste Essgelegenheit nie zu weit entfernt ist – ein inneres Google Maps, auf dem lauter Pins mit Beschriftungen wie „Gyros-Teller echt gut“ stecken.

Trotzdem ist Bertram bereit, sich erneut auf den steinigen Weg des Abnehmens zu begeben und nimmt an einem Abnehmprogramm teil. In den ersten Wochen gibt es nur Flüssignahrung aus Beuteln, später wird eine Mahlzeit eingesetzt und es wird mit roten, grünen und gelben Punkten gerechnet. Schwierig wird es dann, wenn man das erlernte umsetzen muss und normal essen soll.

In „Weil ich ein Dicker bin“ beschreibt Bertram auf sehr offene Art und Weise, wie schwierig es ist, wenn man ein gestörtes Essverhalten hat, dieses zu normalisieren. Essen muss man, die Frage ist nur was. Er beschönigt auch nichts, mit welchen Problemen und Unannehmlichkeiten dicke Menschen zu kämpfen haben. Auch das Verhalten der Gesellschaft dicken Menschen gegenüber wird beleuchtet und dies ist nicht schön. Da könnten wir uns vielleicht mal an der eigenen Nase packen!

Mein Fazit


Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist Klasse was mich aber auch nicht verwundert, da der Autor bei der FAZ arbeitet. Es gibt dem Leser Denkanstösse und räumt auch mit falschen Urteilen auf. Ich glaube es ist eines der schwierigsten Dinge, sich nach einer bekämpften Essstörung soweit im Griff zu haben, dass die Essstörung nicht dich wieder im Griff hat!

4/5

Eckdaten


„Weil ich ein Dicker bin“ von Bertram Eisenhauer// C. Bertelsmann Verlag // Januar 2016// 336 Seiten // Hardcover// ISBN: 978-3-570-10218-3 // Preis: 19,99 €

Über den Autor


Bertram Eisenhauer, geboren 1964, wuchs in Baden auf, studierte in Heidelberg, Connecticut und New York. Er arbeitete als Redakteur im Feuilleton und im politischen Ressort der FAZ; heute leitet er das Ressort „Leben“ bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Eure Sarah von Bloggerhochzwei

Bildrechte: C. Bertelsmann Verlag