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tage mit sam

Klappentext


Alex ist Anfang dreißig, verheiratet und Vater des kleinen Sam. Er liebt seine Frau Jody, aber hat vergessen, wie man das zeigt. Er liebt seinen Sohn Sam, aber er versteht ihn nicht. Es muss sich etwas ändern. Angefangen bei Alex selbst. Sam ist acht Jahre, clever, liebenswert, aber auch unberechenbar. Denn Sam ist Autist. Die Welt ist für ihn ein Rätsel, das er allein nicht lösen kann. Als Sam das Computerspiel Minecraft entdeckt, findet er darin eine Umgebung, die kontrollierbar ist und zugleich seine Fantasie aufblühen lässt. Das Spiel wird zu einem Ort, an dem Sam und Alex endlich zueinander finden könnten – und zu sich selbst …

Meine Meinung


Ich lese sehr gerne Bücher die Abseits vom Mainstream liegen. Hier werden die unterschiedlichsten Themen behandelt, in diesem Fall der Autismus.

Jody und Alex sind recht jung ineinander verliebt. Sie studieren beide, heiraten und freuen sich, als sich ein Baby ankündigt. Als der kleine Sam dann geboren wird sind sie beide überglücklich. Jedoch merken beide sehr schnell, dass etwas mit Sam nicht stimmt. Sam ist anders als die anderen Kinder, in seiner Entwicklung um einiges hinterher. Er schreit viel, hat Angst und bekommt oft eine unkontollierbare Wut. Irgendwann, nach vielen Arzttermin steht die Diagnose fest. Sam ist Autist. Für Jody und Alex kommt eine sehr schwierige Zeit. Vor allem Alex kann mit seinem Sohn und seinem Anderssein überhaupt nicht umgehen. Er flüchtet sich immer mehr in Arbeit, macht Überstunden und läuft vor den Problemen einfach weg. Mit Jody gerät er immer öfters in Streitsituationen und wird prompt von ihr an einem Sonntag gebeten auszuziehen. Für Alex bricht eine Welt zusammen. Doch er muss endlich lernen, sich den Schatten seiner Vergangenheit zu stellen und endlich Verantwortung übernehmen. Vor allem aber muss Alex endlich einen Zugang zu seinem Sohn finden und ihn so aktzeptieren wie er ist.

„Tage mit Sam“ ist eine unheimlich berührende Geschichte. Der Autor verarbeitet darin seine eigenen Erlebnisse mit seinem Sohn, welcher ebenfalls Autist ist. Er zeigt uns viele Eigenarten mit welchen Autisten zu kämpfen haben bzw. die Aussenstehenden. So erfährt man als Leser wie wichtig es ist, dass Autisten einen klaren und strukturierten Tagesablauf brauchen. Die kleinste unvorhergesehene Änderung kann sie komplett aus der Bahn werfen und nicht selten fangen sie an zu toben und Gegenstände durch die Gegend zu werfen. Ich habe die Gefühle der Eltern erlebt, welche oftmals schon im Vorfeld Ängste über bestimmte Situationen haben. Die Unsicherheit, ob auch alles gut geht und wie man am besten in so einer Stresssituation reagiert.

Vor allem aber habe ich gelernt wie wichtig es ist einen Menschen so zu nehmen wie er ist. Sich auf ihn einzulassen, egal welches Andersein ihn begleitet. Denn erst wenn ich mich auf eine Situation oder ein Gefühl einlasse, kann ich es verstehen. Dann kann ich die Welt auch mal aus dem Blickwinkel meines Gegenübers sehen.

Sam ist ein Mensch – und wie jeder Mensch hat er eigene Wünsche und versucht, seinen Platz in der Welt zu finden. Und meine Aufgabe besteht darin, ihm zu helfen.

Die Protagonisten haben mir alle sehr gut gefallen. Da hätten wir natürlich Sam, der 8-jährige Autist welcher in seiner ganz eigenen Welt lebt. Seine Welt ist struckturiert und sollte wenn möglichst immer gleich ablaufen. Leider ist das Leben kein Spaziergang sondern ein Abenteuer und Sam hat seine Probleme, wenn es zu plötzlichen Veränderungen kommt. Körper- und Augenkontakt sind so gut wie nicht möglich.
Alex lebt eigentlich überwiegend in der Vergangenheit. Schon früh hat er seinen Bruder bei einem Unfall verloren und er gibt sich bis heute die Schuld an diesem Drama. Sam ist für ihn ein Klotz am Bein und er kann mit ihm gar nichts anfangen. Er kann einfach keine Verantwortung übernehmen. Als er dann auch noch sein Zuhause und später seine Arbeit verliert ist er ganz unten angekommen. Irgendwann macht es klick und er weiß, dass er unbedingt einen Zugang zu Sam finden muss. Auch um seiner Ehe willen. Das Spiel „Minecraft“ hilft ihm und plötzlich ist er mit seinem Sohn auf einer Ebene. Mir hat die Entwicklung von Alex so gut gefallen. Es hat so Spaß gemacht dabei zu sein wie ein erwachsener Mann endlich mal aufwacht, nach vorne schaut und begreift, dass sein Sohn ein Mensch mit all seinen Bedürfnissen ist. Kein Klotz am Bein, kein lästiges Anhängsel sondern ein Mensch mit all seinen Gefühlen, Fähigkeiten und Bedürfnissen. Am Ende war er sogar mehr als stolz auf seinen Sam.
Auch alle anderen Protagonisten waren authentisch, ihre Gefühle und Handlungen echt.

Darum ist es manchmal so schwer – weil das Leben etwas Außergewöhnliches ist, weil es bedeutet und weil es verlangt, dass man sich darauf einlässt. Und dafür braucht man viel Geduld und Kraft.

Der Schreibstil des Autors und flüssig und sehr gut zu lesen. Die Seiten flogen nur so dahin und gegen Ende konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte war einfach so berührend und hat mich mitten ins Herz getroffen. Unglaublich, dass dies ein Debütroman ist.

Fazit


Wer gerne mal Einblick in die Welt eines Autisten erhalten möchte ist mit diesem berührenden Roman gut aufgehoben. Die Geschichte regt zum Nachdenken an und nimmt uns mit auf eine spannende Reise. Durch das Wissen, dass der Autor selbst einen autistischen Sohn hat, wird das Ganze noch viel authentischer. Die wichtigste Botschaft ist jedoch, dass jeder Mensch, egal wie anders er ist, ein Mensch ist mit allem was dazu gehört. Und dies gilt es zu respektieren. Wenn man dann noch mutig genug ist, sich auf diesen Menschen einzulassen, eröffnen sich neue Perspektiven und man darf die Welt auch mal mit anderen Augen sehen.

5/5

Eckdaten


„Tage mit Sam“ von Keith Stuart// Manhattan Verlag // Oktober 2016 // 480 Seiten // Paperback // ISBN: 978-3-442-54780-7// Preis: 16,99€

Über den Autor


Keith Stuart hatte schon immer eine Schwäche für Spiele und widmete sich ihnen schließlich auch beruflich. Er schrieb zunächst für Spezialzeitschriften wie das einflussreiche Edge Magazin, PC Gamer oder The Official PlayStation, und arbeitet nun seit zehn Jahren als Journalist für den Guardian – u.a. als Spieleredakteur. 2012 wurden bei einem seiner beiden Söhne Störungsbilder des autistischen Spektrums diagnostiziert. Die Diagnose war zunächst ein großer Schock für die Familie. Aber irgendwann fingen Keith und seine beiden Kinder an, zusammen Videogames zu spielen – vor allem Minecraft. Die gemeinsamen Spielerlebnisse und die sehr positiven Auswirkungen auf das familiäre Miteinander haben Keith Stuart zu seinem ersten Roman, „Tage mit Sam“, inspiriert.

Eure Sarah von Bloggerhochzwei

Bildrechte: Manhattan Verlag