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rosaleens fest

Klappentext


Rosaleen, harmlos und unerbittlich, lädt ihre vier erwachsenen Kinder zu einem letzten Weihnachten in Ardeevin ein. Schon vor Langem sind die Geschwister aus ihrem Zuhause an der karstigen Westküste Irlands geflohen, nun kommen sie mit dem Glauben an Einklang zurück. Doch wie konnten sie nur vergessen, wie bisher noch jedes Weihnachtsessen geendet hat ?
Ein aufwühlender Familienroman von Booker-Preisträgerin Anne Enright über die vereinnahmende Liebe einer Mutter und die Unmöglichkeit, sich von der eigenen Familie zu lösen – unvergesslich.

Meine Meinung


Ehrlich gesagt habe ich eine ganz andere Familiengeschichte erwartet, als jene, welche mich in „Rosaleens Fest“ erwartet hat. Anne Enright beschreibt nüchtern und unverblümt über diese ach so zerrüttete Familie.

Der Roman gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil lernen wir die vier Geschwister und Rosaleen kennen. Hier ist zunächst Hanna, in ihrer Kindheit arm, später bildschön und doch versagt sie als Schauspielerin und flüchtet sich im Alkohl. Dan, der zunächst Priester werden wollte, homosexuell ist und nicht so richtig dazu stehen kann. Die Übergewichtige Constance, welche sich selbst aufgegeben hat und in ihrer Rolle als Mutter Zuflucht gefunden hat. Und schließlich noch Emmet, der als Entwicklungshelfer die Welt bereist und unfähig ist, eine feste Bindung einzugehen.

Und schließlich noch Rosaleen. Rosaleen, die nie loslassen konnte und ihre Kinder mit ihrer Mutterliebe schier erdrückt hat. Auch auf hinterlistige Art und Weise. Heute ist sie depressiv und möchte nochmals mit allen Kindern ein letztes Weihnachtsfest feiern, bevor sie das Haus verkauft.

Mein liebster Dan, ich denke oft an dich, und genauso oft muss ich lächeln. Ich vermisse dein Geplauder. All meine Liebe Deine zärtliche und närrische Mutter Rosaleen

Der zweite Teil spielt im Jahre 2005 und handelt von dem letzten Fest. Wer hier nun denkt, dass alle zusammen kommen um ein harmonisches Fest zu feiern, der wird leider enttäuscht. Das Weihnachtsfest läuft so ganz anders ab, als man sich dies vorgestellt hat.

Anne Enright beschreibt hier sehr tiefgründig, teilweise schon poetisch, wie tief eine Familie verwurzelt ist. Emotionen kochen hoch, Hass wird unterdrückt, Liebe ist vorhanden, Mutterliebe kann erdrückend sein und dennoch haben alle Kinder ein verletztes Selbst, eine verletzte Seele. Und die komplette Abnabelung vom Elternhaus hat bis heute noch nicht funktionert, es ist ja schließlich die Mutter. Auch Rosaleen erkennt, welche Fehler sie gemacht hat. Doch nun, mit über 70 Jahren, ist fast nichts wieder gut zu machen. Und jedes ihrer Kinder muss sich selbst durchs Leben kämpfen und versuchen, mit der Vergangenheit klar zu kommen.

Fazit


Diese Familiengeschichte ist nüchtern und aus dem Leben geschrieben. Sehr viele emotionale Begebenheiten lassen einen die Wahrheit zwischen den Zeilen erkennen. Schonungslos und offen, manchmal nicht gleich zu verstehen, ist es doch ein Buch, welches man gelesen haben sollte.

4/5

Eckdaten


„Rosaleens Fest“ von Anne Enright// DVA Verlag// November 2015 // 384 Seiten // Hardcover // ISBN: 978-3-421-04700-7// Preis: 19,99€

Über die Autorin


Anne Enright wurde 1962 in Dublin geboren und lebt heute im irischen Bray, County Wicklow. Die vielfach ausgezeichnete Autorin zählt zu den bedeutendsten englischsprachigen Schriftstellern der Gegenwart und wurde jüngst zur ersten Laureate for Irish Fiction ernannt. Ihr Roman „Das Familientreffen“ wurde unter anderem 2007 mit dem renommierten Booker-Preis ausgezeichnet, ist in gut dreißig Sprachen übersetzt und weltweit ein Bestseller. Nach „Anatomie einer Affäre“ (2011), der die Andrew Carnegie Medal for Excellence in Fiction erhielt, legt sie nun mit „Rosaleens Fest“ ihren sechsten Roman vor, der unter anderem wieder für den Booker-Preis nominiert war und mit dem Irish Novel of the Year Prize ausgezeichnet wurde.