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Klappentext


Erik ist krank; schwer krank. Längst schon hat er sich mit seinem Dasein als Schwerbehinderter abgefunden, der versucht, „das Beste draus zu machen“, als er ganz unerwartet die große Liebe findet – in Gesa, die ihn so annimmt, wie er ist. Mit ihr, die aus einer sehr anderen Welt kommt, scheint für ihn noch so mancher Traum wahr werden zu können. Aber auf das rauschhafte Glück folgt schon bald darauf ein umso tieferer Absturz…
Die tragisch verlaufende Liebesgeschichte von Gesa und Erik bildet den Hintergrund, vor dem Fragen aufkommen, die gerade aktuell sehr kontrovers diskutiert werden. Wie stirbt es sich „selbstbestimmt“ in einer Gesellschaft, die den Tod als vermeidbaren Unfall ansieht und seine Realität verdrängt? Die Schwerkranke zwingt, zu „funktionieren“, Rücksicht auf die Ängste ihres Umfelds zu nehmen, „da zu bleiben“, bis zum bitteren Ende?

Meine Meinung


Schon lange ist die Beziehung von Gesa und Robert zum Scheitern verurteilt. Es ist mehr die Gewohnheit, welche die Partnerschaft zusammen hält. Bis Gesa eines Tages Erik kennen lernt. Doch Erik ist verheiratet und auch noch schwer krank. Beide fühlen sie sich jedoch stark zueinander hingezogen. Erik und Gesa werden ein Paar, denn Erik und seine Frau Joke führen eine offene Ehe. Und so wagen sie den Versuch einer polyamoren Beziehung. Gesa findet in Erik den Mann, welchen sie schon lange gesucht hat und er ist ihre große Liebe. Leider schreitet die Krankheit von Erik immer weiter voran und die Dreiecksbeziehung droht zu scheitern.

Bittersüß ist der Roman „Nicht genug“, welcher ohne Kitsch und Schnörkel sich auf die wahren Gefühle der Protagonisten konzentriert. Schon ab der ersten Seite ist man mitten in der Geschichte. Wir lachen, wir leiden und fühlen mit Gesa und Erik. Vor allem aber wissen wir, dass es in diesem Buch kein Happy End geben wird.

Katrin Bischof erzählt uns die Geschichte von Gesa und Erik, wie sich die Liebe erst zart und dann doch rasant entwickelt. Eine Liebe, die auf den Füßen einer polyamoren Beziehung steht, was schon eigentlich für genug Diskussionsstoff sorgt. Aber ein weiterer Handlungsstrang ist die in Schüben fortschreitende und nicht aufzuhaltende Krankheit von Erik und mit ihr kommt die Frage nach einem selbstbestimmten Tod zwangsläufig auf. Und so muss sich der Leser mit einer etwas anderen Art von Liebe auseinander setzen, kann sie miterleben und sich seine eigenen Gedanken dazu machen. Gleichzeit wird Erik immer kränker, die Liebe zwischen zwei Frauen und einem Mann kann dem nicht standhalten und wir müssen zuschauen, wie die Krankheit die Beziehung von Gesa und Erik immer tiefer in den Abgrund führt.

Der Schreibstil der Autorin ist unheimlich lebendig und lebensnah. Die Geschichte hätte genau so in unserem Umfeld stattfinden können, als Leser ist man mittendrin. Die Gefühle werden authentisch und lebensnah beschrieben und so kann sich jeder Leser entscheiden wie weit er mitgehen möchte. Der letzte Abschnitt war für mich persönlich der heftigste und ohne Taschentuch ging es leider nicht.

Fazit


Wer gerne einen Roman mit Tiefgang liest, für den ist „Nicht genug“ genau das passende Buch. Allerdings lässt es sich nicht mit „Ein ganzes halbes Jahr“ oder ähnlichem vergleichen, da diese Geschichte so aus dem Leben gegriffen geschrieben wurde. Ich mochte das Buch schon ab der ersten Seite und trotz der Dramatik liest es sich zügig weg.

4/5

Eckdaten


„Nicht genug“ von Katrin Bischof // Books on Demand // Mai 2016 // 268 Seiten // Taschenbuch // ISBN: 978-3-8448-1989-2 // Preis: 10,99 €

Über die Autorin


Katrin Bischof, geboren 1971 in Stade, lebt heute in den Niederlanden. Sie studierte Germanistik und Slawistik an der Universität Kiel. Nach einigen Jahren als Fremdsprachensekretärin folgte ein weiteres Studium der „Internationalen Fachkommunikation“ an der Universität Hildesheim. Seit Dezember 2008 ist Katrin Bischof als freiberufliche Fachübersetzerin tätig. Ihr erster Roman „Der Enklavenmann“ erschien 2014, ihr erster Erzählungsband „Wendepunkte“ 2016.

Eure Sarah von Bloggerhochzwei