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Klappentext


Eine Frau will ein Kind, aber ihr Körper versagt es ihr. Also nimmt sie den Kampf gegen sich selbst auf und macht ihre Umgebung zum Feind. Als sie sich zur Adoption eines afrikanischen Kindes entscheidet, ist ihr Versagen für alle sichtbar. Die Mühlen der Bürokratie tun ihr Übriges. Freunde werden zu Fremden, der Alltag wird zum Hürdenlauf, der auch dann nicht endet, als das Kind kommt. Die Mutterschaft entpuppt sich als verwinkeltes Gehäuse, in das sie erst hineinfinden muss.

Meine Meinung


Dieses Buch zieht einen hinein. In das Gefühlsleben einer Frau, welche keine Kinder bekommen kann. Hier muss man sich Gedanken machen über Dinge, die einen bisher wenig interessiert haben.

Wir haben sie alle schon gesehen, die Mütter mit ihren Kinderwägen, Mütter mit tiefen Augenringen oder Mütter die auf dem Spielplatz wieder selbst zu Kinder werden. Gespräche mit Müttern drehen sich nur um die Kinder, je kleiner diese sind umso intensiver wird über den Nachwuchs gesprochen.
Wir kennen auch alle die Werbungen in den Medien, wo einem suggeriert wird, wie glücklich doch Familien sind. Welche Fläschchennahrung oder welche Brei das Beste für das Kind ist oder welche Windel den sichersten Auslaufschutz hat.
Für Paare, welche keine Kinder wollen, ist das schon nervig genug.

Aber haben wir uns schon einmal darüber Gedanken gemacht wie eine Frau sich fühlt, die gerne ein Kind hätte aber der Körper es verwehrt? In welches Loch sie fällt, welche Traurigkeit sie empfindet und welche Wut? Fragen wie: „Wann ist es denn bei euch soweit?“ oder „Na, seid ihr noch am üben?“ sind noch die harmlosesten mit denen kinderlose Paare bombadiert werden. Mit der Zeit sieht man sich als Versager und bekommt einen Hass auf den eigenen Körper. Er hat doch schließlich alles, was Frau braucht. Je mehr Zeit verstreicht umso weniger hat man Freunde. Freunde haben zwischenzeitlich Kinder, Frau kann nicht mehr mitreden und Freunde gehen. Man geht zu Ärzten, lässt sich durchchecken, hofft alle 4 Wochen auf ein Wunder. Aber nichts passiert. Irgendwann bleibt nur noch die Adoption.

Doch wer adoptiert braucht Geduld. Diese Schwangerschaft geht länger als neun Monate, die Behördenmühlen mahlen langsam. Es zermürbt von neuem. Und auch hier immer wieder bangen und hoffen. Irgendwann ist es geschafft. Das Kind ist da doch die Muttergefühle wollen sich erst einmal nicht so richtig einstellen. Und wieder wird man auf eine harte Probe gestellt.

„Muttergehäuse“ ist kein typischer Roman wie man es sich vorstellt. Gertraud Klemm hat hier ein fast schon poetisches Werk mit berauschendem Tiefgang geschaffen. Man wird aufgefressen, hineingezogen in das ganze Gefühlschaos. Mich als Mutter hat dieses Buch absolut berührt. Ich konnte alles absolut nachempfinden. Die Sprache von Gertraud Klemm ist auf sehr hohem Niveau, Stilmittel wurden gekonnt eingesetzt und trotz aller Dramatik lässt sich das Buch doch sehr gut lesen.

Fazit


Ein Buch über ein sehr berührendes und intimes Thema welches jede Frau gelesen haben sollte. Egal ob Mutter oder nicht Mutter. Die Autorin schreibt offen und authentisch und bereichert.

5/5

Eckdaten


„Muttergehäuse“ von Gertraud Klemm// Kremayr Scheriau Verlag // Februar 2016// 160 Seiten // Hardcover // ISBN: 978-3-218-01023-8// Preis: 19,90€

Über die Autorin


1971 in Wien geboren. Biologiestudium, Gutachterin bei der Stadt Wien, seit 2006 freie Autorin. Ihr zuletzt erschienener Roman „Aberland“ wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 nominiert. Etliche Preise und Stipendien, u.a.: Wiener Literatur Stipendium, Publikumspreis beim Bachmannpreis 2014

Eure Sarah von Bloggerhochzwei

Bildrechte: Kremayr und Scheriau Verlag