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johanna alles hat seine zeit

Klappentext


Johanna, seit vielen Jahren mit Martin verheiratet, führt nach außen hin eine intakte Ehe. Deshalb trifft es sie völlig unerwartet, als sie eines Tages bei einem Besuch in einer Buchhandlung Vera begegnet und sich Gefühle in ihr regen, die sie bis dahin nicht kannte.
Plötzlich wird Johannas ganzes bisheriges Leben infrage gestellt und sie verfällt in eine schwere Depression – sie kann ihre eigenen Gefühle einfach nicht einordnen. Noch nie hat sie sich zu einer Frau hingezogen gefühlt…
Bevor Johanna zu sich selbst und zu ihrer Liebe zu Vera stehen kann, muss sie einen harten und beschwerlichen Weg gehen. Der führt jedoch letztendlich zu der Erkenntnis, dass sie, Johanna, nicht auf der Welt ist, um zu sein, wie andere sie gerne hätten… und sie erkennt, dass alles seine Zeit hat.

Meine Meinung


Die Ehe von Johanna und Martin ist schon lange nicht mehr das, was sie vielleicht einmal war. Johanna ist nur noch eine Marionette und funktioniert so, wie andere es von ihr erwarten. Ihr Mann schreibt ihr alles vor, einen eigenen Willen hat Johanna schon lange nicht mehr. Auch im Bett lässt sie alles still über sich ergehen, von Leidenschaft spricht hier schon lange keiner mehr. Wen wundert es da, dass sich Johanna bei einem Einkauf in einer Buchhandlung plötzlich Hals über Kopf in die attraktive Verkäuferin Vera verliebt. Natürlich kann Johanna ihre Gefühle nicht einordnen, war sie doch noch nie in eine Frau verliebt. Dennoch geht ihr Vera nicht mehr aus dem Kopf und sie möchte unbedingt mit ihr befreundet sein. Aus dieser lockeren Freundschaft wird eine tiefe und innige Bindung und Johanna ist noch mehr verwirrt. Unfähig ihr Gefühlschaos in den Griff zu bekommen verfällt sie in eine schwere Depression.

Obwohl ich schon einige Male mitbekommen habe, dass verheiratete Frauen sich plötzlich in das gleiche Geschlecht verlieben, ist mir dies in der Literaturwelt bisher nicht begegnet. Ich war sehr gespannt, wie Petra Kania dieses brisante Thema umsetzt. Es ist ihr auf jeden Fall sehr gut gelungen.

Der Schreibstil von „Johanna, alles hat seine Zeit“ ist lebendig, gefühlvoll und durch den Perspektivenwechsel immerzu spannend. So erfährt man immer wie Johanna oder Vera mit der ganzen Situation umgehen. Auch für Vera ist es das erste Mal, dass sie sich auf eine Beziehung mit einer Frau einlässt. Sehr interessant ist auch, wie Freunde und Bekannte mit dem „Comming Out“ umgehen und welche Vorurteile und teils auch rechtsradikale Einstellungen es heutzutage immer noch gibt. Die Protagonisten sind allesamt sehr authentisch und ich konnte mich gut in jeden Einzelnen hinein versetzen.

Es ist eine Suche nach dem Ich. Der Weg dortin kann steinig sein aber dennoch begehbar. Und auch wenn er etwas langsam zu gehen ist, alles hat seine Zeit.

Fazit


Ein wundervolles Buch welches man unbedingt gelesen haben sollte. Authentisch, gefühlvoll, emotional und spannend. Dieses Thema kann jeden von uns treffen, sei es persönlich oder auch im Bekanntenkreis. Das Alter spielt hier keine Rolle. Vielleicht hilft dieses Buch dann auch dem einen oder anderen diese Thematik besser zu verstehen und nicht vorschnell zu urteilen.

5/5

Eckdaten


„Johanna, alles hat seine Zeit“ von Petra Kania // Herzsprung Verlag // Juni 2016// 270 Seiten // Taschenbuch // ISBN: 978-3-960-74003-2 //Preis: 13,30 €

Über die Autorin


Petra Kania wurde 1955 geboren und ist Diplom-Sozialpädagogin. Viele Jahre arbeitete sie als Lehrerin an einer Berufsschule für ErzieherInnen und KinderpflegerInnen.
Ihre großen Leidenschaften sind neben dem Schreiben das Lesen, Malen und Harfespielen, mit dem sie nach einer schweren Krankheit begann.
Heute ist sie Rentnerin und lebt mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Cockerspaniel in Mönchengladbach.

Bildrechte: Herzsprung Verlag

Eure Sarah von Bloggerhochzwei