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Klappentext


Prostituiertenmörder, Briefbombenleger, Kinderschänder, Akteure im NSU-Prozess: Schon viele Menschen haben Norbert Nedopil einen tiefen Einblick in ihre Seele gewährt. Ein grundlegendes Interesse an der menschlichen Psyche lässt den bekanntesten forensischen Psychiater Deutschlands auf Spurensuche gehen: Welche Faktoren führen dazu, dass ein Verbrechen geschieht? Wann muss ein Täter ins Gefängnis, wann in die Psychiatrie? Was passiert nach dem Strafvollzug? Pointiert entschlüsselt Nedopil die gesellschaftlichen und psychologischen Dimensionen des Verbrechens und gibt Einblicke in seine spektakulärsten Fälle.

Meine Meinung


Wie ticken Straftäter, was bewegt sie zu ihren Straftaten und wie geht ein Psychiater mit diesen „Bestien“ um? Dies waren wohl einige Fragen die mir im Kopf herum gingen, als ich auf „Jeder Mensch hat seinen Abgrund“ aufmerksam wurde.

Norbert Nedopil lässt gleich am Anfang des Buches durchscheinen, dass es keine „Bestien“ gibt. Es sind alles Menschen, so wie du und ich. Seine Aufgabe ist es vorurteilsfrei dem Täter zu begegnen und möglichst viel über diesen in Erfahrung zu bringen. Selbst die Unterscheidung in Gut und Böse unterlässt Nedopil.

Deutschlands bekanntester Gerichtsgutachter gibt uns mit diesem Buch einen recht umfangreichen Einblick in die Psyche des Menschen. Verschiedene Tätertypen und Unterscheidungen werden vorgestellt, immer wieder mit einem Fallbeispiel. Der Zusammenhang von Genen und Erlebten, selbst schon die Prägung wenn der Mensch noch im Mutterleib ist, wird anschaulich erklärt und mir wurde klar, dass nicht jedes Baby die gleichen Startvoraussetzungen hat. Welche Umstände haben zu der Tat geführt, was war der Auslöser? Oftmals sind es Erfahrungen, die schon Jahre oder gar Jahrzehnte zurückliegen und die nun wieder an die Oberfläche kommen. Wir erfahren wie den straffälligen Menschen geholfen wird, was im Massregelvollzug passiert und wie es nach deren Entlassung weiter geht.

Das Buch, obwohl es doch ein Sachbuch mit vielen Fremdwörtern ist, liest sich ruckzuck. Es ist unheimlich spannend und durch die Fallbeispiele sehr lebendig geschrieben. Ich war mehr als einmal überrascht welche Faktoren zusammen kommen müssen oder welche Kleinigkeit manchmal schon ausreicht, dass ein Mensch die Grenzen überschreitet. Wir lernen, dass man Menschen möglichst unbefangen begegnen und nicht gleich in irgendwelche Schubladen packen sollte. Denn auch wir sind nicht davor geschützt mal einen Fehltritt zu machen, wenn es die Situation denn mal erfordern sollte.

Fazit


Wer sich für die Psyche von Menschen und auch für die Beweggründe eines Täters interessiert ist mit diesem Buch bestens bedient. Es ist kein langweiliger Vortrag welcher mit Fachbegriffen nur so um sich wirft und müde macht. Das Buch ist spannend, lehrreich und sehr facettenreich. Ich hätte auch gerne noch viele weitere Fallbeispiele gelesen.

5/5

Eckdaten


„Jeder Mensch hat seinen Abgrund“ von Norbert Nedopil // Goldmann Verlag // September 2016 // 320 Seiten // Hardcover // ISBN: 978-3-442-31442-3 // Preis: 19,99 €

Über den Autor


Professor Doktor Norbert Nedopil, Jahrgang 1947, leitete mehr als 20 Jahre die Abteilung für Forensische Psychiatrie an der Psychiatrischen Klinik der Universität München. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge und Fachbücher und legt nun mit »Jeder Mensch hat seinen Abgrund« sein erstes Sachbuch vor.

Eure Sarah von Bloggerhochzwei

Bildrechte: Goldmann Verlag