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emotion caching

Eckdaten


„Emotion Caching“ von Heike Vullriede // Luzifer // Erschienen Juli 2015  // 320 Seiten // Einzelband // Taschenbuch // ISBN: 978-3-95835-062-5 // Preis: 13,95 €

Klappentext


„Nichts bannt mich mehr, als der Schrei eines Menschen.“ – Kim

Die junge Kim und ihre drei Freunde spielen ein ungewöhnliches Spiel. Sie sammeln die Gefühle anderer Menschen. Bewaffnet mit einer Kamera suchen sie nach dem großen Kick, und wenn der Zufall nicht mitspielt, helfen sie eben ein bisschen nach. Dabei hofft Kim, die Gefühlskälte, die sie seit dem Verlust ihres Vaters plagt, beim Anblick aufgewühlter Menschen vertreiben zu können. Bald merkt sie: Die wirklich überwältigenden Gefühlsausbrüche liefern Angst, Entsetzen und Verzweiflung.

Was als harmloses Spiel beginnt, in dem Kim noch die Fäden in der Hand hält, nimmer immer bösere Züge an und entgleitet ihr mehr und mehr.

Meine Meinung


Kim und ihre Freunde kommen aus Langeweile und Perspektivlosigkeit auf die Idee, Gefühle von anderen Menschen mit ihrer Kamera einzufangen. Dieses „Spiel“ nennt sich „Emotion Caching“. Wer jetzt aber denkt, dass es hier nur um positive Gefühle geht, der irrt sich gewaltig. Wahre Emotionen werden bei Kim und ihren Freunden erst dann geweckt, wenn es sich um die negativen Gefühle wie Angst, Wut, Verzweiflung und dergleichen handelt. Und um diese Gefühle zu wecken, überlegen sich die vier Jugendlichen immer abscheulichere „Streiche“. Was sich am Anfang noch als relativ harmlos darstellt, entwickelt sich in rasanter Weise zu Abscheulichkeiten der menschlichen Seele. Kim merkt relativ rasch, dass es falsch ist, was sie hier treiben. Aber ihr Freund Benni entwickelt sich zu einem richtigen Psychopathen.

Heike Vullriede greift hier ein brandaktuelles Thema auf. Voyeurismus ist das Schlagwort, welches nicht nur Erwachsene betrifft, die sich ihre Neugier und Schadensfreude im Fernsehen oder auf der Straße holen. Nein, es sind die Jugendlichen, welche heute dank ihres Smartphones immer und überall peinliche und abstossende Clips drehen können. Mit nur wenigen Clicks landen diese dann auf Youtube oder anderen sozialen Netzwerken.

Es hat mich tief schockiert und betrübt, wie weit so manche Kids gehen. Im Vorfeld werden schon die Pläne geschmiedet wer heute dran glauben muss. Lebensgewohnheiten werden ausspioniert und wer dann an diesem Tag zur falschen Zeit am falschen Ort ist, hat einfach verloren. Die Frage ist doch, warum kann es soweit kommen? Warum hat so mancher Jugendlicher solche Gedanken im Kopf? In diesem Thriller haben alle vier ein schlechtes Elternhaus. Entweder ist ein Elternteil Alkoholiker und schlägt den Rest der Familie zusammen, oder die Eltern sind nie zu hause oder man hat gefühlskalte Elternteile und leidet auch unter dem Verlust von Vater und Mutter.

Auch in meinem Umfeld beobachte ich sehr oft, dass sich Eltern kaum noch Zeit für ihre Kinder nehmen. Gespräche finden kaum noch statt. Lieber setzt man das Kind vor den Fernseher oder den Computer, um seine eigenen Interessen zu befriedigen. Von daher wundert mich so eine Entwicklung nicht. Man weiß doch gar nicht mehr, was im eigenen Kind vorgeht. Welche Gedanken und Gefühle in der noch empfindlichen Seele schlummern.

Es war ganz sicher dieses fehlende Leben in meinem eigenen Blut, das mich dazu brachte, die Gefühle derer auszukosten, die es konnten: sich ängstigen, verzweifeln, hassen…

Mein Fazit


Ein absolut realitätsnaher Thriller, welcher einen schon nach kurzer Zeit in die Geschichte zieht. Als Leser erlebt man ständig ein Wechselbad der Gefühle und es hinterlässt viele Emotionen. Auch wenn diese Geschichte fiktiv ist, wird einem schnell klar, dass es so passieren kann und wahrscheinlich auch schon öfters passiert ist.

5 von 5 buechern

Über den Autor


Heike Vullriede wurde in Essen geboren, lebt heute im Münsterland und führt ein turbulentes Leben in einer großen Familie. 2008 stieg sie aus ihrem Brotberuf aus und widmet sich seitdem hauptberuflich dem Schreiben (und Zeichnen), ohne Angst vor provokanten und umstrittenen Themen.Über den Autor

Bildrechte: Luzifer Verlag