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eine handvoll rosinen

Klappentext


Ludwig Blum ist ein rechtschaffener Mann. Er glaubt an die Gesetze. An den Staat. An die Gerechtigkeit. Als Fremdenpolizist in Traiskirchen, dem größten Flüchtlingslager Österreichs, leistet er Hilfe, wo er kann, und unterlässt sie, wo ihm die Hände gebunden sind. Bis es um die Abschiebung von Aram Khalil geht und im Zuge einer Betreuungskrise Hunderte Flüchtlinge auf der Straße schlafen müssen.

Da beginnt Ludwig Blum an den Gesetzen zu zweifeln und daran, ob die Welt eine gerechte ist. In diesem Moment begegnet er dem afghanischen Schlepper Nejat Salarzai, der ihm auf brutale Weise eine andere Art der Ordnung vor Augen führt.

Zusammenfassung


Viele mögen sie nicht, die kleinen, braunen, schrumpeligen und klebrigen Rosinen. Sie werden oft aussortiert, rausgezupft oder gänzlich verweigert. Nicht so unter den Schleppern. Sie nehmen Rosinen symbolisch für die Verhandlungen. Ein Boot für die Flüchtlinge kostet 2 Rosinen, eine Kontaktperson ist schon 4 Rosinen wert. Und so werden Schicksale von Menschen am kleinen Tisch im seichten Licht entschieden, mit einer Handvoll Rosinen.

Ludwig Blum, ein Beamter bei der Fremdenpolizei in Traiskirchen, macht seinen Job gut. Alles nach Vorschrift, schließlich muss alles seine Ordnung haben. Seine achso geliebte Ordnung kommt das erste Mal ins Wanken, als eine geplante Abschiebung nicht klappt und sich der Vater der Familie die Fingerkuppen mit dem Aschenbecher aufschneidet. Daraufhin nimmt ihm seine Chefin die Akten weg.

Dann gibt es noch Nejat, eine Afghane, welcher in seiner Heimat ein sehr wohlhabendes Elternhaus hatte. Nachdem dessen Vater brutal ermordet wurde und die ganze Familie flüchten musste, hat er sich als Schlepper niedergelassen. Wo? Überall in Europa.

Und schließlich noch Aram. Aram der ohne Vögel nicht leben kann, dessen Leben bedroht ist, einschließlich seiner Familie. Er kann keinen festen Aufenthaltsort angeben, sie werden ihn finden. Aram hat als Spitzel in seiner Heimat Syrien gearbeitet. In Traiskirchen kommt er in Schubhaft, wird abgeschoben und landet doch wieder in Traiskirchen.

„Sie haben gesagt, Sie würden mir glauben, dass meine Tochter in Österreich lebt. Sie haben mir ein Glas Wasser angeboten und gesagt, Sie würden mir glauben. „

Dann ist da noch die Bevölkerung, welche verunsichert wegen der Flüchtlinge ist und auch in ständiger Angst lebt. Wie schön, dass es da noch Menschen wie Kampl gibt. Kampl stellt Notunterkünfte zur Verfügung, hängt an der Flasche, und kann leider auch nur begrenzt helfen.

Obwohl der Roman „Eine Handvoll Rosinen“ schon im Jahre 2003 in Traiskirchen spielt, ist dieses Thematik aktueller und brisanter als je zuvor. Denn verbessert hat sich die Situation auf keiner Seite, im Gegenteil. Daniel Zipfel ist es gelungen, alle Seiten in dieser Thematik zu beleuchten und miteinander zu verknüpfen. Ich habe gemerkt, wie alles zusammenhängt und wie schwierig es ist, Lösungen zu finden. So dass alle Beteiligten zufrieden sind. Aber so muss man manchmal Grenzen überschreiten. Grenzen überschreiten, um zum eigenen Seelenheil zu finden.

Der Schreibstil des Autors ist in den ersten zwei, drei Kapiteln etwas gewöhnungsbedürftig, aber dann habe ich mich sehr schnell eingefunden und konnte das Buch auch kaum aus der Hand legen.

Das Cover ist auch sehr passend gestaltet. Dunkel, beängstigend. Mir zeigt es eine Gefangenschaft, ein Labyrinth aus welchem kein Weg nach draußen führt.

Mein Fazit


„Eine Handvoll Rosinen“ sollte eigentlich schon fasst Pflichtlektüre sein. Um die ganze Flüchtlingsproblematik zu verstehen. Die einzelnen Protagonisten werden sehr gut beschrieben und ich konnte mich in jeden wirklich gut hineinversetzen. Entscheidungen konnte ich nachvollziehen, das Elend fühlen und die Überschreitungen der Grenzen absolut verstehen.

5 von 5 buechern

Eckdaten


„Eine Handvoll Rosinen“ von Daniel Zipfel // Kremayr-Scheriau Verlag // Erschienen August 2015 // 240 Seiten // Einzelband // Hardcover // ISBN: 978-3-218-00997-3// Preis: 19,90€

Über den Autor


Daniel Zipfel, geboren 1983 in Freiburg im Breisgau, lebt und arbeitet in Wien als Autor und Jurist in der Asylrechtsberatung. Zahlreiche Stipendien und Preise: u.a. Longlist des MDR-Literaturwettbewerbs 2014, Start-Stipendium des BMUKK 2013. Seine Erzählungen sind in österreichischen Literaturzeitschriften erschienen. „Eine Handvoll Rosinen“ ist sein erster Roman.

Bildrechte Cover: Kremayr-Scheriau Verlag

Eure Sarah von Bloggerhochzwei