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die zelle

Klappentext


Sammy ist elf und gerade mit seinen Eltern nach Berlin gezogen. Im Luftschutzbunker der alten Jugendstilvilla in Grunewald macht er eine verstörende Entdeckung. Ein vollkommen verängstigtes Mädchen, nicht viel älter als er, ist dort unten in einer Zelle eingesperrt, die man mit Gummifolie ausgekleidet hat. Nur durch einen winzigen Schlitz hindurch kann er sie sehen.
Am nächsten Tag ist die Zelle leer, das Mädchen verschwunden. Und für Sammy kann es dafür eigentlich nur einen Grund geben: seinen Vater.

Meine Meinung


Als der elfjährige Sammy mit seinen Eltern, seinem Bruder und dem Au-Pair Mädchen Hannah von London nach Berlin zieht, sind ausgerechnet auch noch Sommerferien. Dies bedeutet für einen Jungen in diesem Alter nur eines – Langeweile. Er kennt noch niemanden, seine Mutter ist fast nie zuhause, sein Vater fast den ganzen Tag im Arbeitszimmer und sein Bruder interessiert sich auch nicht wirklich für ihn. Perfekt also um die Villa und den großen Garten zu erkunden. Eines Tages beobachtet Sammy, wie sein Vater in eine alte Hütte im Garten geht und er beschließt, ihm zu folgen. Der Weg führt durch ein altes Tunnelsystem unter der Erde und Sammy macht eine grausame Entdeckung: In einer Zelle entdeckt er ein Mädchen, kaum älter als er selbst. Er will seinen Vater rufen, doch das Mädchen schreit: „No Daddy, no!“ Völlig verstört muss Sammy erst einmal zur Ruhe kommen und nachdenken. Er beschließt mit seinem Bruder darüber zu reden, doch dieser hat keine Zeit oder Lust. Als er sich am nächsten Tag erneut auf den Weg zu der Zelle macht, ist diese plötzlich leer. Im Verdacht steht sein Vater.

Es war mein erster Thriller aus der Feder von Jonas Winner und ich bin total begeistert. Der Autor hat Psychospielchen vom Feinsten auf Lager und sorgt für Verwirrungen wie kaum einer. Als Leser kann man selbst kaum noch unterscheiden was Wirklichkeit und Wahnvorstellung ist.

In den Mund hinein, den er offen halten muss, um genug Luft zu bekommen, durch den Bauch hindurch, den Darm, aus dem After heraus, wie ein langer Strang, der sich zu einem Gewinde aufwickelt, das den ganzen Raum ausfüllt.

Der mittlerweile erwachsene Sam erzählt die Geschichte aus Sicht des kleinen Sammys was damals passiert ist. Diese Wochen in diesem Sommer haben den kleinen Jungen stark beeinflusst und mit seiner Psyche ging es immer weiter bergab. Er litt unter solchen Wahnvorstellungen, vielleicht war es auch die Wahrheit, dass er Medikamente einnehmen und sich einer Therapie unterziehen musste. „Die Zelle“ ist so bedrückend, dass es den Leser einsaugt, in ein schwarzes Loch und in eine kranke Psyche.

Jonas Winner schreibt flüssig, offen und teilweise auch schonungslos detailliert, so dass dieser Thriller nichts für schwache Nerven ist. Die Charaktere sind durchdacht ausgearbeit und die ganze Geschichte kommt mit nur einem Schauplatz aus. Ich konnte mich in alle Situationen sehr gut einfinden und sie mir bildlich vorstellen.

Fazit


Wer Psychothriller mag ist mit diesem Buch bestens aufgehoben. Es lässt einen nicht mehr los und ich konnte es kaum noch zur Seite legen. Der Spannungsbogen wurde langsam aufgebaut, hat sich kontinuierlich gesteigert und blieb bis zum Schluss ganz weit oben. Dies wird garantiert nicht mein letzter Thriller aus der Feder von Jonas Winner sein!

5/5

Eckdaten


„Die Zelle“ // Droemer-Knaur Verlag // Januar 2016 // 336 Seiten // Taschenbuch // ISBN: 978-3-426-51276-0// Preis: 9,99€

Über den Autor


Jonas Winner, geboren 1966 in Berlin, promovierter Philosoph, arbeitete nach dem Studium in Berlin und Paris als Journalist, Redakteur für das Fernsehen und als Drehbuchautor (ARD, ZDF, Sat.1). Sein Selfpublishing-Bestseller „Berlin Gothic“ sorgte im Netz für Furore. 2012 feierte er mit dem Thriller „Der Architekt“ einen großen Erfolg, 2014 folgte „Das Gedankenexperiment“. Der Autor lebt mit seiner Familie in Berlin.

Eure Sarah von Bloggerhochzwei

Bildrechte: Droemer-Knaur Verlag